[00:08.73] Bedrohlich, der germanische Wald
[00:12.82] Schon seit Urzeit finster und kalt
[00:16.38] Voller Tropfen, Geheimnisse und Lichter
[00:20.49] Verflochten, verwoben in tote Gesichter
[00:26.60] Es rinnt der Schweiß, es rinnt der Regen
[00:30.01] Alle Legionäre müssen alles geben
[00:32.92] Hosenlos, auf römisch Art
[00:36.42] Verschmutzt, erschöpft, doch ohne Bart
[00:42.70] Bis zu den Knien im Schlamm sie waten
[00:45.19] Sich immer enger und enger scharen
[00:47.96] Tiefe Furcht sich in ihre Kehlen schnürt
[00:52.76] Ob dem, was ein jeder hier spürt
[00:57.74] Er scheint zu leben, der beklemmende Wald
[01:02.01] Durch den durch Regen und Nebel nun nichts mehr schallt
[01:06.67] Da schlägt ein Ast, da glotzt ein Pilz
[01:11.32] Im Moor, es greift nach dir und deine Seele will's
[01:16.83] Doch Todesrascheln, sind nur Rehe vier
[01:22.54] Und so sind die Soldaten erfroren und ohne Kraft
[01:26.44] Alles durchnässt, dreie das Moor weggerafft
[01:30.41] Doch: "Semper fidelis", immer treu, so folgen sie Varus, ihrem Führer
[01:38.55] Den seinerseits Armin, der Cherusker führt
[01:45.38] Doch plötzlich des Waldes nagender Angstgefühl
[01:49.73] Verwandelt sich in Menschengewühl
[01:52.46] Als der Cherusker einen Pfiff ertönen lässt
[01:56.15] Und die Legionen stachen in ein Wespennest
[02:00.69] Aus dem Schlamm, aus den Blättern an Boden und Bäumen
[02:04.22] Aus Senken und nichts
[02:05.56] Plötzlich unendlich Germanen schäumen
[02:08.47] Ein Schrei wie von tausend Bären ertönt
[02:12.45] Der, der zu Tode erschöpften Römer Ängste nur nährt
[02:16.66] Unformiert ihr trutzes Heer, sonst zu besiegen doch sehr schwer, ist nun geschwächt
[02:23.30] Durch Waldes Tücke, der geisterhaft die Klingen zückte
[02:29.07] Und schon, vom Schwerte ergraben, der Blutstrom fließt
[02:33.53] Sich in tosendem Lärmen zu Boden ergießt
[02:37.11] Rußgeschwärzt Germani alle
[02:39.97] Bringen, getarnt hervorgestürmt den Tross zu Falle
[02:45.45] Speere und Pfeile von Bäumen und Höhen regnen
[02:48.62] Als die Reihen der Römer behende sich ebnen
[02:52.30] Doch auch schwarze Gesichter gehen nach Walhall
[02:55.05] Und Blut und Schmerz ist allüberall
[02:59.41] Es regnet Köpfe und Arme und Hände
[03:02.77] Blutrot ist des Waldes Moor am Ende
[03:06.11] Und gerissene Münder und Augen
[03:08.36] Im Tode verzerrt aus der Erde nun schauen
[03:14.58] Und bis zur dritten Nacht zieht sich das Grauen
[03:18.99] Und im Lichte der Fackeln sieht man die Frauen
[03:23.27] Wie sie berauben die Römer und finden den Mann
[03:27.80] Weinend den Liebsten erkannt, der nicht entrann
[03:33.73] Es versinkt diese Nacht in Tränen und Regen und Blut
[03:39.91] Kein Auge mehr lacht, unermesslich, gelodert die Wut
[03:47.01] Kaum zieht der Morgennebel seine Bahn
[03:50.78] So sind schon Wolf und Aar heran
[03:54.80] Letzten sich am unendlich geflossenen Strom
[03:58.05] Und totes Fleisch nun ihre Gier belohnt
[04:03.35] Und durch die Haufen zerfetzter Leiber
[04:07.15] Wühlen schmatzend sich Reiter
[04:10.45] Auf Bahren tote Cherusker ziehend
[04:13.38] Und Waffenvertrieben die Gierigen fliehen
[04:17.82] Und so werden die Gefallenen aufgeschichtet
[04:21.32] Und durch Flammen nass schwelenden Holzes vernichtet
[04:26.23] Nur die Römer bleiben, genagelt an Bäume im Blutmoor zurück
[04:31.78] Auf Altären geopfert, Stück für Stück
[04:35.73] Ihre Schädel und Waffen Wotan dargebracht
[04:39.80] Im heiligen Haine, im Schutze der Nacht
[04:45.02] Und noch lange rauchen die Seelenfeuer
[04:48.63] Durch die sich die Seele erneuert
[04:51.79] Und weit in Walhalla droben
[04:54.67] Noch lang die Cherusker sich lobten
[04:57.75] Wie brav sie die Römer erzogen
[05:00.19] 
